GEROLZHOFEN - „Ich finde es gut und erhoffe mir dadurch
bessere Chancen“, meint Linda Melchior aus Schallfeld. Sie besucht die Mittlere
Reife Klasse M9 und nimmt gemeinsam mit ihren Klassenkameradinnen und Kameraden
sowie mit den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen der Hauptschule
Gerolzhofen an der Projektwoche „Bewerbungstraining“ teil. Ins Leben rief sie im
vergangenen Jahr der Rotary Club Gerolzhofen-Volkach.
In Einzelgesprächen werden die Mädchen und
Buben fit gemacht für eine erfolgreiche Bewerbung um einen
Ausbildungsplatz.
„Wichtige Aufgabe“ „In der gegenwärtig
schwierigen Situation auf dem Lehrstellenmarkt sehen wir es als eine wichtige
Aufgabe an, Schülerinnen und Schüler der Hauptschule bei ihrem Berufseinstieg
behilflich zu sein. Nach den positiven Erfahrungen mit dem Pilotprojekt im
letzen Schuljahr setzten wir unsere Zusammenarbeit mit der Hauptschule in diesem
Jahr gerne fort“ betont Artur Fuchs, Präsident des Rotary Clubs.
Ein Angebot zur Zusammenarbeit, das Rektor Alfred Bauer gerne
annahm, da er mit den Experten des Rotary Clubs, als individuelle
Bewerbungstrainer, ideale Kooperationspartner hat. Wie er ausführt, sind
verstärkter Praxisbezug und vertiefte Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit
außerschulischen Partnern wesentliche Elemente des Schulprofils der Hauptschule
Gerolzhofen. „In unserer Schule steht nicht mehr die Abschlussorientierung im
Mittelpunkt unserer Bemühungen, sondern verstärkt die Anschlussorientierung“,
erläutert der Schulleiter und weist darauf hin, dass die Lehrerinnen und Lehrer
den Unterrichts- und Erziehungsauftrag haben, den Schülerinnen und Schülern in
den letzten Schuljahren die Grundlagen für eine Berufsausbildung zu vermitteln
und sie zur Ausbildungsreife zu führen.
In Zusammenarbeit mit dem Elternhaus, der Berufsberatung und
außerschulischen Partnern sollten sie in Berufsbereiche geleitet werden, die
ihren Interessen, Neigungen und Talenten entsprechen. „Rechtzeitig vor dem
Schulabschluss gilt es vor allem, die Schülerinnen und Schüler für die
Arbeitssuche fit zu machen, damit sie sich zeitgemäß und erfolgreich bewerben
können, auf Auswahltests vorbereitet sind und im Vorstellungsgespräch überzeugen
können“, erläutert Alfred Bauer. Fachlichen Hauptziel des Projekts ist der
Erwerb von Kompetenzfaktoren, die bei der Bewerbung und beim
Vorstellungsgespräch besonders relevant sind.
Die Klassleiter der 9. Klassen Melanie Ebner (9a), Peter Beez
9b), Nicole Ach (9c) und Andrea Wächter (M9) stimmten in einem Planungsgespräch
mit Anette Schäflein-Rügamer und Doris Röder vom Rotary Club die
unterrichtlichen Vorarbeiten und den Projektverlauf miteinander ab.
Das Bewerbungsschreiben Im vorbereitenden
Unterricht durch die Klassleiter ging es vor allem um die Gestaltung von
Bewerbungsschreiben und um den Lebenslauf. Unterstützt wurden sie dabei von
Berufsberater Friedrich Wolf, der die Mädchen und Buben außerdem mit einem
Testtraining auf die Auswahltests vorbereitete, mit denen viele Betriebe
feststellen, wie fit ihre Bewerber sind.
Die Projektwoche eröffnete Bernd Kohl von der AOK Schweinfurt
mit einer Zusammenfassung wesentlicher Strategien und Grundsätze für eine Erfolg
versprechende Bewerbung. An konkreten Beispielen machte er deutlich, wie sehr es
auf Sorgfalt, einwandfreie Rechtschreibung, formale Korrektheit und eine
persönliche inhaltliche Note ankommt. „Deine Bewerbung ist Deine persönliche
Visitenkarte. Sie muss sich positiv von der Masse abheben. Zeige, dass Du Dich
eingehend mit Deiner Berufswahl und mit dem Unternehmen beschäftigt hast. Zeige,
dass Du gelernt hast, sauber zu arbeiten“, erklärte er.
Schwerpunkt des Projekts war das Vorstellungsgespräch, mit einem
Experten des Rotary Clubs für den angestrebten Berufsbereich. Dabei galt es, das
zuvor Erarbeitete anzuwenden und unter realistischen Bedingungen das
Vorstellungsgespräch in vertrauter Umgebung zu proben. Anschließend wurde
darüber gesprochen und es wurden Tipps und Hilfen gegeben, wie Bereiche, die
noch nicht so gut geklappt haben, abgeändert und verbessert werden können. Die
Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass für die Beurteilung eines Bewerbers vor
allem der erste Eindruck eine wichtige Rolle spielt. „Man bekommt keine zweite
Chance, einen guten ersten Eindruck zu machen“, betonte Rektor Alfred Bauer. Die
Schüler erfuhren, dass Pünktlichkeit, angemessene Kleidung und gute
Umgangsformen genauso wichtig sind wie eine gute Vorbereitung auf
Standardfragen. Einen guten Eindruck hinlasse die oder derjenige, der nicht zu
nervös erscheint, Blickkontakt hält, die Einstiegsfragen sicher beantworten kann
und sich traut, selbst die eine oder andere Frage zu stellen.
Die meisten kommen unter Das Konzept der
Hauptschule Gerolzhofen scheint aufzugehen. „Bis zum 1. August 2006 hatten von
den 120 Abgängern 114 Anschluss. Nur sechs wussten noch nicht wie es weiter
geht“, erklärt Rektor Bauer, der stolz darauf ist, dass die meisten Schülerinnen
und Schüler seiner Schule unter kommen.
Barbara Gülta, Main-Post Gerolzhofen, 28. Oktober 2007 |